Konzert auf fremden Boden
Wenn die Lieblingsband nicht am Wohnort spielt, dann hat man noch die Chance in eine andere Stadt zu fahren, wo sie auftreten.
“30 seconds to Mars” hat sich dieses Jahr gedacht mal nicht in der Hauptstadt zu spielen. Zum Glück ist Hamburg nicht so weit, also Karten gekauft, Bahntickets besorgt und Hotel gebucht.
In Hamburg angekommen, wird der öffentliche Nahverkehr inspiziert und nach kleinen Ortserkundungen kann man im Hotel einchecken. Der erste Drang HUNGER. Der Appetit hat nach Chinesisch verlangt. Kurz auf Googlemaps geschaut und festgestellt, dass das nähste Restaurant knapp 1km entfernt ist. Noch eine Empfehlung auf Qype gelesen und auf den Weg gemacht.
Dort angekommen ist Ruhetag, an einem Dienstag “HALLO” , bei uns haben die Chinarestaurants gefühlte 24h offen und das 7 Tage die Woche. Naja zum Glück hilft die moderne Technik. Nächstes Restaurant 800m entfernt. Navi zeigt die Richtung, doch wo sich der Laden genau befindet, ist nicht beschrieben. Nach dem man dann weiß, welche Geschäfte es noch gibt, erwartet einen der nächste Schock: das Restaurant macht Mittagspause. Können sie ja machen, aber dann können sie mir auch gleich etwas servieren.
Lust auf chinesisch ist dann vergangen, also wird der nächste Fresstempel angesteuert, der hat, wie soll es sein Mittagspause. Die Betreiber können aber Auskunft geben welches Restaurant in der Nähe um diese Uhrzeit essen verkauft. Es war dann schon 16 Uhr, nur so zur Info.
Gut gesättigt, geht es zurück zum Hotel, umziehen, Karten holen, losgehen. Draußen zeigt sich der Sommer von seiner guten Seite. Bedeutet warten. Bei Regen hat man eher weniger Lust zu laufen, nach 30 min hat sich der Himmel ausgeweint und der Marsch zum Konzertgelände beginnt. Nach gefühlten 10km sieht man am Eingang die Menschenmasse.
Im geordneten Chaos kommen wir endlich aufs Gelände, soll heißen man stellt sich brav hinten an und alle Anderen, die cleverer sind, drängeln sich an der Seite vorbei. Irgendwie gibt der Ort eigentlich ne bessere Organisation her. Im Rucksack noch nen Schraubendreher vergessen, eigentlich wollte der nette Mann von der Security mir den erlassen, doch da hab ich hin schon weggeschmissen.
Der hintere Zuschauerbereich ist übersät mit Essständen und sogar mit Sitzbänken, wie im Bierzelt. Der Bereich vor der Bühne ist bis zum ersten Wellenbrecher schon nicht mehr zugänglich, da die maximale Anzahl erreicht ist, rein kommt nur wer ein Bändchen hat. Wer zu spät kommt erhält also nur den Musikgenuss.
Während man an den Toiletten steht, sich etwas zu Trinken und zu Essen besorgt hat, füllt sich der Platz. Die erste Vorband beginnt schon. Die Zweite spielt, da hab ich noch nicht mal mitbekommen wie die erste hieß. Nachdem die zwei Bands versucht haben den Massen einzuheizen, wird zur Umbaupause “Hurricane” auf zwei großen Leinwänden gespielt, in einer Zwölfminutenfassung. Die Stimmung bis zur Band ist ein wenig verhalten, werden in Berlin Fangesänge laut oder gar Laolas gestartet, wartet das Publikum geduldig auf das was da komme. Eine gefühlte halbe Stunde später beginnen sie zu spielen. Dank des frühen Erscheinens sind alle auf der Bühne in Daumengröße zu sehen.
Die Stimmung ist gut, aber die Leute doch etwas zurückhaltend für ein Rockkonzert. Die Vorderen Reihen machen natürlich mit, aber nach hinten ebbt es stark ab. Da fühlt man sich beobachtet, wenn man sich mal ein wenig zur Musik bewegt.
Zwischendurch werden von der Bühne Gummipuppen und Bälle in die Zuhörerschaft geworfen. Doch diese vershwinden schnell bei den Leuten an der Front. Nach fast einer Stunde spielt Jared allein mit seiner Gitarre und holt die ersten beiden Konzertgäste auf die Bühne.
Er fragt seine Bühnengäste nach Namen und Herkunft. Als dann Berlin fiel, jubelten die Berliner. Das Echo kam sofort von den mehr vertetenden Hamburgern, mit einem lautstarken “BUH”. Übrigens sei erwähnt, dass Jared immer Germany zur Masse rufte. Wahrscheinlich war er das von den Festivals gewöhnt.
Zum Abschiedslied hat er nochmal knapp 30 Leute auf die Bühne geholt und “Closer to the Edge” zum besten gegeben. Ernüchternd ohne Zugabe war dann um viertel nach Zehn Schluss. Die Menge machte kein murren, sondern nahm es so hin. In Berlin wären alle mindestens noch 10 Minuten stehen geblieben, doch wenn schon andere Musik gespielt wird, ist auch mir klar, dass das Konzert zu ende ist.
Auf dem Weg ins Hotel ist man zu Fuß genauso schnell, wie der überfüllte Bus der neben einem im Stau fährt. Endlich auf dem Zimmer angekommen, wartet das ersehnte Bett.
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